Warum manche Gärtner rostige Nägel zu Tomaten geben und wie sie helfen können
Sobald die Zeit der sogenannten Eisheiligen vorbei ist, kommt für Tomatenanbauer der wichtigste Moment der Saison. Vorgezogene Jungpflanzen wandern ins Beet oder ins Gewächshaus, und alle überlegen, wie sie ihnen den bestmöglichen Start ermöglichen. Neben bewährten Methoden taucht hin und wieder auch ein Tipp auf, der fast wie ein Scherz klingt: Beim Pflanzen ein paar rostige Nägel ins Loch werfen. Trotzdem steckt darin möglicherweise mehr Logik, als es auf den ersten Blick scheint.
Eisen als unscheinbares, aber entscheidendes Element
Tomaten brauchen für gesundes Wachstum nicht nur Stickstoff, Phosphor und Kalium, sondern auch Spurenelemente. Eines der wichtigsten ist Eisen. Die Pflanze benötigt es zwar nur in kleinen Mengen, doch seine Rolle ist kritisch. Es ist an Prozessen beteiligt, die mit der Bildung von Chlorophyll zusammenhängen, also des grünen Blattfarbstoffs, dank dem die Blätter Licht aufnehmen und die Pflanze effizient mit Energie wirtschaften kann. Eisen ist außerdem Bestandteil von Enzymen, die den Energietransport und die Zellatmung steuern.
Woran man Eisenmangel erkennt
Fehlt der Tomate Eisen, zeigt sich oft das typische Problem, bekannt als Eisenmangelchlorose. Die jüngsten Blätter beginnen zu vergilben, während die Blattadern deutlich grün bleiben. Die Pflanze wird dann schwächer, wächst schlechter und setzt unter Umständen weniger Blüten und Früchte an. Manchmal wird das fälschlich auf zu viel Wasser oder kühle Nächte geschoben, dabei kann die Ursache gerade in der Verfügbarkeit von Eisen im Boden liegen.
Warum Rost allein nicht reicht und trotzdem helfen kann
Erfahrene Gärtner mögen einwenden, dass metallisches Eisen und auch Rost für Pflanzen praktisch unlöslich und damit schlecht nutzbar sind. Das stimmt nur teilweise. Die Wurzeln nehmen nämlich keine festen Eisenstückchen auf, sondern gelöste Ionen, typischerweise in Form von zweiwertigem Eisen. Wichtig ist jedoch: Tomaten können bei Bedarf ihre Umgebung so beeinflussen, dass Eisen für sie besser verfügbar wird.
Tomaten können im Wurzelbereich die chemischen Bedingungen so verändern, dass sich auch stärker gebundene Eisenformen lösen.
Was im Pflanzloch mit dem Nagel passiert
Wenn Sie einen alten Eisennagel in feuchten Boden eingraben, beginnt er nach und nach zu korrodieren. Und die Wurzeln sind dabei nicht passiv. Sie scheiden Stoffe in den Boden aus, die ihnen helfen, Nährstoffe zu erschließen, zum Beispiel schwache organische Säuren und Verbindungen, die Metalle binden. Diese Stoffe können den Rost auf der Nageloberfläche langsam angreifen und Eisen in Formen überführen, die für die Wurzeln besser aufnehmbar sind. Das Ergebnis ist eine Art sehr allmähliche Eisenversorgung, die über einen längeren Teil der Saison wirken kann.
So gehen Sie vor, damit der Trick den Jungpflanzen nicht schadet
Wenn Sie es ausprobieren möchten, sollten Sie ein paar Regeln einhalten, damit das Tomatenpflanzen nicht schlechter endet als ohne Nägel. Verwenden Sie nur gewöhnliche ältere Eisennägel, am besten bereits leicht angerostet. Vermeiden Sie dagegen Materialien, die nicht in den Boden gehören.
Welche Nägel Sie auf keinen Fall verwenden sollten
Dazu gehören verzinkte Nägel, weil Zink in höherer Konzentration für Pflanzen toxisch wirken kann. Ebenso wenig sinnvoll ist Edelstahl, der sich im Boden kaum zersetzt und keinen Nutzen in Form von verfügbarem Eisen bringt.
Die richtige Platzierung im Pflanzloch
Werfen Sie die Nägel nicht direkt unter die feinen Wurzeln der Jungpflanze. Graben Sie das Pflanzloch etwa 10 Zentimeter tiefer aus, als Sie normalerweise brauchen, legen Sie unten ungefähr 3 bis 5 Nägel hinein und bedecken Sie sie mit einer Schicht Erde oder Kompost. Erst auf diese Schicht setzen Sie die Jungpflanze. Die Wurzeln wachsen später von selbst dorthin, sobald sie kräftiger sind.
Was man beim Pflanzen für eine bessere Nährstoffversorgung ergänzen kann
Rostige Nägel sind kein Wundermittel für alles, können aber eine kleine Ergänzung sein. Wenn Sie das Pflanzloch gezielt „aufrüsten“ möchten, können Sie auch eine kleine Menge Holzasche zugeben, die Kalium und zum Teil auch Calcium liefert. Gerade Calcium ist wichtig, um einigen Fruchtproblemen vorzubeugen, zum Beispiel der Blütenendfäule, wenn deren Ursache ein Mangel oder eine ungleichmäßige Aufnahme ist.
Eierschalen als langsame Calciumquelle
Eine weitere Möglichkeit ist, eine Handvoll getrockneter und zerstoßener Eierschalen unterzumischen. Diese zersetzen sich im Boden langsam und können als längerfristige Calciumquelle dienen, die die Festigkeit der Zellwände unterstützt. Trotzdem gilt: Den größten Unterschied machen die richtige Bewässerung, ein gesunder Boden und eine maßvolle Düngung, während Nägel eher ein unterstützendes Detail mit Langzeitwirkung sind.
Quelle: Science Direct, Marschner, H.: Mineral Nutrition of Higher Plants, Pestrazahrada.cz
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