Vergessenes Pflaumenobst kehrt in die Gärten zurück und überrascht mit seiner Praktikabilität
Myrobalan, auf Deutsch meist als Kirschpflaume bezeichnet, zählt zu den Gehölzen, die bei uns sowohl in Gärten als auch in der freien Landschaft heimisch sind. Während klassische Pflaumen viele vor allem mit großen Früchten und Schnaps verbinden, galt der Myrobalan lange eher als verwilderter Verwandter. Jetzt rückt er wieder in den Fokus, weil er eine Kombination von Eigenschaften mitbringt, die angesichts von Wetterextremen und Krankheitsdruck überraschend sinnvoll ist.
Es gibt viele Typen und Formen von Pflaumenbäumen; sie unterscheiden sich in Wuchs, Kronenform, Blattbild sowie Farbe und Geschmack der Früchte. Pomologen teilen sie nach Herkunft und Merkmalen in mehrere Gruppen ein. Neben den üblich angebauten Pflaumenarten halten sich bei uns auch Arten, die sich gut an das lokale Klima angepasst haben und in manchen Regionen besser gedeihen als anspruchsvollere Sorten.
Wo der Myrobalan im Obstbau die größte Bedeutung hat
In der Praxis werden Pflaumenbäume meist nicht aus Samen vermehrt, sondern vegetativ, am häufigsten durch Veredeln oder Okulieren. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Unterlage, also der Wurzelteil des Baumes, der Wuchs, Standfestigkeit und auch die Fähigkeit zur Wassernutzung beeinflusst. Und genau hier sticht der Myrobalan hervor.
Er wächst als Baum etwa 3 bis 9 Meter hoch und kann ein deutlich kräftiges Wurzelsystem ausbilden. Im Vergleich zu manchen anderen Pflaumenarten hat er oft breitere und tiefere Wurzeln, was ihm in trockeneren Perioden und auf leichteren Böden hilft. In der Slowakei wurden zudem Typen gezüchtet, die für Regionen mit kürzerer Vegetationsperiode sowie für wärmere, trockenere Standorte geeignet sind. Ein wichtiges Argument ist außerdem die hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Scharka-Virus (Plum pox), einer der problematischsten Viruskrankheiten bei Pflaumen.
Nicht nur Unterlage, sondern auch Zierbaum mit essbaren Früchten
Der Myrobalan wird heute nicht nur als technische Unterlage für Pflaumen angesehen. In vielen Ländern werden seine Früchte ganz selbstverständlich frisch gegessen oder verarbeitet. Der Vorteil: Bei ausgewählten Tafelsorten ist es kein Kompromiss zwischen Zierwert und Nutzen. Der Baum kann im Frühjahr mit der Blüte, in der Saison mit dem Laub und zum Spätsommer mit Früchten überzeugen, die einen eigenen Charakter haben und sich in der Küche vielseitig einsetzen lassen.
An der Züchtungsstation in Klčov entstanden Tafelsorten, die unter den Namen Klaret, Klasik und Klar bekannt sind. Obwohl sie zum Verzehr gedacht sind, zeigen sie zugleich eine gute Affinität, also die Fähigkeit, zuverlässig mit dem Edelreis zu verwachsen. Das ist auch für Gärtner praktisch, die den Myrobalan im Obstgarten auf verschiedene Weise nutzen möchten.
Klaret als robuste Sorte für kühlere Lagen
Die Sorte Klaret entstand durch Auslese von Sämlingen aus einer Kreuzung rotlaubiger Myrobalanen. Der Schwerpunkt lag auf Gesundheit und Robustheit; daher wird eine hohe Toleranz gegenüber Scharka, Blattläusen und der Monilia-Fruchtfäule angegeben. Gleichzeitig ist es eine frostharte Sorte, die sich auch für kühlere, nördlichere Regionen eignet.
Der Baum wächst aufrecht und bildet eine schmalere, pyramidenförmige Krone. Die Blätter sind mittelgroß und können von dunkelgrünen Tönen zu braun-rotgrünlichen Nuancen übergehen. Die Blüten sind klein und selbstfruchtbar. Die Früchte sind meist mittelgroß, rund, mit einer Schale in matt violettschwarzer Färbung. Das Fruchtfleisch ist fest, dunkel karminrot und schmeckt süßsäuerlich, löst sich jedoch nur teilweise vom Stein. In warmen Tieflagen reift sie etwa Mitte Juli, in höheren Lagen erst bis Ende August. Die Früchte bekommen beim Transport leicht keine Druckstellen, platzen auch nach starken Regenfällen nicht und bleiben am Baum längere Zeit in guter Genussreife. Sie eignen sich für Kompott, Säfte, Juice und Konfitüren; für stabile Erträge braucht die Sorte einen Erhaltungsschnitt zur besseren Durchlichtung der Krone.
Klasik als zuverlässiger, selbstfruchtbarer Myrobalan
Klasik entstand aus freier Bestäubung von Myrobalanen in der Ostslowakei. Er neigt zu stärkerem Wuchs, oft eher als großer Strauch mit kugeliger bis flach kugeliger, manchmal überhängender Krone und feineren Leitästen. Er blüht meist in der zweiten Maidekade; die Blüten sind weiß, mit stark gewelltem Rand der Kronblätter. Eine wichtige praktische Eigenschaft ist die Selbstfruchtbarkeit, sodass er für den Fruchtansatz keine weiteren Sorten in der Nähe benötigt.
Die Früchte sind mittelgroß, rund, in Größe und Form sehr gleichmäßig. Die Schale ist glänzend, gelb-orange, mit auffälligen weißen Lentizellen. Das Fruchtfleisch ist goldorange, eher fest und sehr saftig, geschmacklich süßsäuerlich. In wärmeren Gebieten reift er um die Wende von Juli zu August, in höheren Lagen eher von Ende August bis Mitte September. Er eignet sich zum Frischverzehr ebenso wie für Kompott. Geschätzt werden auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber Scharka und Monilia sowie die bessere Fähigkeit, späte Frühjahrsfröste zu verkraften.

Klar als früheste Wahl mit deutlich süßem Geschmack
Klar gilt als der früheste Tafelm yrobalan, gezüchtet durch Selektion von Sämlingen aus freier Bestäubung. Der Baum bildet eine kleinere, kompakte Krone und eignet sich daher auch für Gärten, in denen der Platz begrenzt ist. Die Früchte sind regelmäßig rund, mit braunroter Schale, oft mit deutlich sichtbaren Lentizellen und kleinen rostigen Pünktchen. Das Fruchtfleisch ist saftig, goldgelb und zart. Vom Stein löst es sich besser erst bei Überreife.
Er reift kurz nach den Kirschen, meist von der dritten Julidekade bis zur ersten Augustdekade. Die Früchte eignen sich zum direkten Verzehr ebenso wie für die häusliche und industrielle Konfitürenherstellung; typisch ist der ausgeprägt süße Geschmack.
Warum der Myrobalan auch außerhalb von Gärten wieder vermehrt gepflanzt wird
Myrobalanen lassen sich auch in einer schonenden, ökologisch geführten Bewirtschaftung anbauen, da sie insgesamt nicht übermäßig anspruchsvoll sind. Dank der Kombination aus Robustheit, Anpassungsfähigkeit und dekorativem Erscheinungsbild eignen sie sich nicht nur als Obstbaum, sondern auch als Solitär, gegebenenfalls als Bestandteil von Baumalleen und Obststreifen auf landwirtschaftlichen Flächen. Sie passen auch in die Nähe von Gehöften und in die Landschaft, wo sie gleichzeitig eine nutzbringende und eine ästhetische Rolle erfüllen können.
Quelle: Gardenia, Zahrádkár, BBC Gardener’s World, Pestrazahrada.cz
Ein Liebhaber der Natur, des Gartens und allem, was sich bewegt, blüht oder wächst. Er baut buchstäblich alles an, von Kräutern bis hin zu seltenen Arten, und kümmert sich ebenso gern um Tiere. Bei seiner Arbeit verbindet er moderne Technologien mit erprobten Großmutter-Methoden und freut sich, wenn beide Wege zum selben Ziel führen.
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