Warum Ameisen Blattläuse wie eine Herde hüten und wie diese Partnerschaft Ihren Garten beeinflusst
Die Beziehung zwischen Ameisen und Blattläusen gehört zu den bekanntesten Beispielen für die Zusammenarbeit zweier unterschiedlicher Organismen, die sich auch an ganz gewöhnlichen Gartenpflanzen beobachten lässt. Während sie Biologinnen und Biologen fasziniert, ist sie für Gärtnerinnen und Gärtner oft eine Quelle von Ärger – denn dort, wo sich Blattläuse wohlfühlen, werden Schäden an jungen Trieben und Blättern meist schnell sichtbar.
Der Grund, warum sich diese beiden Welten so häufig begegnen, ist simpel. Es gibt Tausende Blattlausarten und ebenso eine enorme Vielfalt an Ameisen. Auch wenn die Artenvielfalt in Europa geringer ist als weltweit, gibt es in der Landschaft dennoch genügend Kombinationen, sodass Blattläuse und Ameisen auf Pflanzen immer wieder aufeinandertreffen – und an vielen Orten gleichzeitig.
Honigtau als süße Belohnung
Blattläuse ernähren sich, indem sie Pflanzensäfte aus Stängeln und Blättern saugen. Diese Säfte enthalten viel Zucker, den Blattläuse nicht vollständig verwerten können. Der Überschuss sammelt sich im Körper, daher scheiden sie ihn als kleine süße Tröpfchen aus – den Honigtau. Für Blattläuse hat diese Ausscheidung auch einen praktischen Nutzen: Sie werden überschüssige Stoffe los und senken das Risiko, dass sich auf ihrer Körperoberfläche und in der Umgebung Schimmelpilze entwickeln.
Honigtau nutzen nicht nur Ameisen, sondern auch andere Insekten, etwa Wespen oder Bienen. Ameisen haben jedoch im Laufe der Zeit erkannt, dass diese süße Quelle nicht „von selbst“ auf den Blättern entsteht, sondern direkt von den Blattläusen stammt. Statt sie als Beute zu jagen, begannen sie, die Blattläuse zu schützen und am Leben zu halten – als wertvollen, lebenden Nahrungsvorrat.
Wie aus Ameisen „Viehzüchter“ werden
Das ist kein allgemeingültiges Prinzip bei allen Blattläusen. Diese Form des Zusammenlebens nutzt nur ein Teil der Arten, doch in Gärten sehen wir sie trotzdem häufig. Ameisen legen mithilfe von Duftspuren eine Route zwischen Nest und Pflanze an, und über diese „Ameisenautobahn“ laufen sie regelmäßig zu den Blattläusen.
Vor Ort warten sie dann auf einen Tropfen Honigtau und stimulieren die Blattläuse oft sanft mit den Fühlern, wodurch die Produktion der süßen Flüssigkeit beschleunigt wird. Anschließend wechseln die Ameisen von einer Blattlaus zur nächsten – die Kolonie erinnert tatsächlich an eine Herde, die dauerhaft „betreut“ wird. Ist eine Ameise satt, trägt sie den Honigtau im Kropf zurück ins Nest, wo er als Nahrung für Larven und Königin dient.
Winterstrategie und Umsetzen an die besten Plätze
Einige Ameisenarten gehen noch weiter, und ihre Pflege hat einen langfristigen Charakter. Vor dem Winter suchen sie an Pflanzen nach Blattlaüseiern und tragen sie in sicherere Kammern im Ameisennest. So schützen sie sie vor Kälte und vor Fressfeinden. Im Frühjahr gelangen die Blattläuse entweder von selbst zurück auf die Pflanzen – oder die Ameisen helfen aktiv nach und setzen sie auf geeignete Wirtspflanzen um.
Ameisen versetzen Blattläuse innerhalb einer Pflanze außerdem so, dass sie an den jüngsten und saftigsten Pflanzenteilen sitzen. Gerade dort sind die Gewebe zart, der Saft nährstoffreicher und leichter verdaulich – das erhöht den Erfolg der Blattläuse und zugleich die Menge an Honigtau, die Ameisen von solchen Standorten gewinnen.
Schutz der Kolonien und Konflikt mit nützlichen Räubern
Blattlauskolonien sind dank Ameisen oft erstaunlich gut verteidigt. Wenn genügend Ameisen vorhanden sind, können sie sogar größere und für Blattläuse sehr gefährliche Räuber vertreiben, etwa Marienkäfer, Florfliegenlarven oder Schwebfliegen. Damit werden Blattläuse für Gartenbesitzerinnen und Gartenbesitzer zu einem deutlich härteren Gegner, weil die natürliche Regulierung geschwächt wird.
Große Frühjahrskolonien sind häufig vor allem deshalb, weil die Blätter frisch sind und es zu Saisonbeginn meist weniger Räuber gibt. Im weiteren Jahresverlauf steigt der Räuberdruck in der Regel, und in vielfältigeren, naturnahen Gärten nimmt die Blattlauspopulation oft von selbst ab. Ein geringer Befall schadet Pflanzen zudem vielfach nicht dramatisch. Problematisch wird es dann, wenn das ökologische Gleichgewicht gestört ist und sich Blattläuse ungebremst vermehren können.
Was Blattläuse mit Honigtauhonig zu tun haben
Während große Blattlauskolonien im Garten eher lästig sind, können sie im Wald für Imkerinnen und Imker eine interessante Chance sein. In den Baumkronen leben Blattläuse, die in großen Mengen Honigtau produzieren und oft von Waldameisen „bewirtschaftet“ werden. In guten Jahren kann es so viel Honigtau geben, dass auch Bienenvölker ihn sammeln.
Aus Honigtau entsteht dann Honigtauhonig, geschätzt wegen seiner dunkleren Farbe und seines kräftigen Aromas. Seine Erzeugung ist jedoch oft schwankend und begrenzt, weil Klimaveränderungen und der schlechtere Zustand der Waldbestände den Populationen dieser Blattläuse häufig nicht bekommen.

So gehen Sie im Garten ohne unnötige Chemie vor
Hilfreich ist es, natürliche Feinde der Blattläuse zu fördern. Sinnvoll ist das Pflanzen von Arten mit flachen, offenen Blüten, die Schwebfliegen anlocken. Deren Larven gehören zu den effektivsten Blattlausjägern und können während ihrer Entwicklung sogar Hunderte Individuen fressen.
Kurzfristig kann auch das gezielte Umsetzen von Marienkäfern auf befallene Pflanzen funktionieren – am besten dort, wo die Umgebung geschützter ist, etwa im Gewächshaus oder auf dem Balkon. Langfristig lohnt es sich, Marienkäfern Überwinterungsplätze anzubieten, damit sie in den Garten zurückkehren. Unterschlupf bieten Insektenhotels, Holzstapel oder auch verschiedene Gartenelemente, die Spalten und trockene, geschützte Ecken schaffen. Ähnliche Quartiere nützen auch Florfliegen, deren Larven ebenfalls intensiv Blattläuse jagen.
Das Zerstören von Ameisennestern in der Nähe befallener Pflanzen kann kontraproduktiv sein – besonders, wenn dabei unsachgemäße chemische Methoden eingesetzt werden. Oft ist es wirksamer, die Duftspur zwischen Nest und Blattlauskolonie zu unterbrechen, denn ohne Ameisen bleiben Blattläuse deutlich verwundbarer. Kurzfristig können feine Anstriche mit natürlichen aromatischen Ölen am Stamm oder am Haupttrieb helfen, etwa mit Lavendelduft – sie müssen jedoch im Verlauf der Saison wiederholt werden.
Bei Gehölzen lassen sich auch Leimringe einsetzen, aber so dünn wie möglich und mit Bedacht. Zu dicke Leimschichten fangen nämlich nicht nur Ameisen, sondern auch viele Nützlinge – und im Extremfall können sie sogar größere Tiere gefährden.
Quelle: Záhrada, The Spruce, RHS, Pestrazahrada.cz
Ein Liebhaber der Natur, des Gartens und allem, was sich bewegt, blüht oder wächst. Er baut buchstäblich alles an, von Kräutern bis hin zu seltenen Arten, und kümmert sich ebenso gern um Tiere. Bei seiner Arbeit verbindet er moderne Technologien mit erprobten Großmutter-Methoden und freut sich, wenn beide Wege zum selben Ziel führen.
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