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Reben vermehren drei Regeln, die meisten Steckhölzer sterben im Winter durch einen vermeidbaren Fehler

October 23, 2026 · 5 Min. Lesezeit · Tomas Rohlena
Reben vermehren drei Regeln, die meisten Steckhölzer sterben im Winter durch einen vermeidbaren Fehler
Weinrebe / Foto: Depositphotos

Im Herbst kann es so wirken, als wäre die Weinrebe nach der Saison fertig. Die Trauben sind geerntet, die Blätter werden gelb und der Stock geht in die Ruhephase. Genau dann ist jedoch der beste Moment, Steckhölzer zu schneiden, aus denen sich im Frühjahr neue Pflanzen ziehen lassen. Wer dieses Zeitfenster verpasst, nimmt sich die Möglichkeit, den eigenen bewährten Stock günstig zu vermehren, und muss oft entweder ein weiteres Jahr warten oder fertige Rebpflanzen kaufen.

Die günstigste Zeit liegt nach dem Laubfall und noch vor stärkeren Frösten. Unter unseren Bedingungen ist das meist im Oktober. Der Grund ist einfach: Das einjährige Holz ist dann gut ausgereift und enthält Reserven an Zucker und Stärke, die später für die Bewurzelung gebraucht werden. Ein Schnitt im Frühjahr ist dagegen weniger sicher, weil das Rebholz bereits einen ganzen Winter hinter sich hat, durch Kälte geschädigt sein kann und leichter Feuchtigkeit verliert.

Woran man einen geeigneten Trieb für Steckhölzer erkennt

Grundlage des Erfolgs ist die Auswahl eines gesunden und ertragreichen Mutterstocks. Es hat keinen Sinn, eine Pflanze zu vermehren, die unter Krankheiten gelitten hat oder schlecht getragen hat, denn dieselben Schwächen können sich auch in der nächsten Generation zeigen. Ein geeigneter einjähriger Trieb hat eine feste, bräunliche Rinde, gut erkennbare Knoten und Augen, die unbeschädigt fest sitzen. Die Triebstärke sollte ungefähr einem normalen Bleistift entsprechen.

Am besten bewährt sich der mittlere Teil des Triebs. Zu dünne Stücke trocknen schnell aus, übermäßig starke, „mastige“ Triebe sind oft weniger geeignet. Steckhölzer schneidet man sinnvollerweise länger, etwa 50 bis 70 Zentimeter, weil beide Enden im Frühjahr ohnehin nochmals frisch angeschnitten werden. Der obere Schnitt erfolgt gerade wenige Millimeter über einem Auge, der untere schräg direkt unter einem Knoten. So ist sofort klar, wo oben und wo unten ist.

Sorten kennzeichnen ist wichtiger, als es scheint

Sobald die Steckhölzer geschnitten sind, ist es klug, sie sofort sortenrein zu bündeln, zusammenzubinden und mit einem haltbaren Etikett zu beschriften. Genau hier passiert häufig ein Fehler. Im Frühjahr lassen sich die einzelnen Sorten ohne Blätter und Früchte nur sehr schwer unterscheiden – und wer sie vermischt, kann später nur noch raten, was er eigentlich gepflanzt hat. Beim eigenen Vermehren ist der große Vorteil ja gerade, dass man exakt die Rebe erhält, die man aus dem eigenen Garten kennt.

Die größten Verluste entstehen bei der Winterlagerung

Das Schneiden der Steckhölzer geht meist schnell, entscheidend ist jedoch ihre Aufbewahrung über den Winter. Ideal ist ein kühler Ort mit etwa 1 bis 4 °C und erhöhter, aber nicht übertriebener Luftfeuchte. Ist die Luft zu trocken, schrumpft die Rinde, das Gewebe stirbt ab. Ist die Umgebung dagegen zu nass oder ohne Luftaustausch, tritt Schimmel auf und die Steckhölzer „schwitzen“ – sie faulen.

Lagern kann man sie im Keller, im Kühlschrank oder auch draußen in einem gut geschützten Graben, sofern keine Vernässung droht. Wichtig ist, dass es kein Ort mit häufigen Temperaturschwankungen ist. Steigt die Temperatur zu stark, beginnen die Augen zu früh auszutreiben, noch bevor sich Wurzeln bilden, und das Steckholz zehrt unnötig seine Reserven auf. Ungünstig ist auch die direkte Nähe zu Äpfeln und Birnen, die ein vorzeitiges Austreiben fördern.

Regelmäßige Kontrolle kann den Großteil des Materials retten

Im Winter reicht es nicht, die Steckhölzer nur einzulagern und zu vergessen. Alle paar Wochen sollte man die Bündel öffnen und den Zustand von Rinde, Augen und Schnittflächen kontrollieren. Ein vitales Steckholz hat feste Augen und zeigt nach einem frischen Anschnitt grünes, feuchtes Holz. Schrumpelige Rinde und dunkles, trockenes Holz deuten auf Absterben hin, während nasse, dunkle Stellen auf Fäulnis durch zu feuchte Lagerung hinweisen.

Beginnender Schimmel lässt sich oft durch rechtzeitiges Reinigen und den Wechsel der Umhüllung oder des Substrats stoppen. Leicht angetrocknete Steckhölzer kann man durch kurzes Wässern in kaltem Wasser noch reaktivieren. Stücke, die schwarz und eindeutig abgestorben sind, sollte man ohne Zögern aussortieren, damit sie den Rest nicht gefährden.

Frühjahrsstart und Bewurzelung

Weinrebe / Foto: Depositphotos
Weinrebe / Foto: Depositphotos

An der Schwelle von Ende Februar bis März kann man einen Teil der gelagerten Steckhölzer für die Bewurzelung zu Hause vorbereiten. Der untere Schnitt wird direkt unter einem Knoten erneuert, der obere einige Zentimeter über einem Auge. Hilfreich können auch feine Längsrisse im unteren Bereich sein, die die Wurzelbildung fördern. Vor dem Pflanzen werden Steckhölzer meist ein bis zwei Tage in Wasser eingeweicht.

Sehr wichtig ist, dass der untere Teil mehr Wärme bekommt als der obere. Die Augen wachen nämlich schneller auf als die Wurzeln. Treibt der Trieb zu früh aus, schwächt sich das Steckholz, bevor es ausreichend Wurzeln bilden kann. Ins Beet oder in die Anzuchtreihe setzt man junge Pflanzen daher je nach Witterung sicherer erst später im Frühjahr.

Eigene Jungpflanzen bedeuten auch eine spürbare Ersparnis

Die Vermehrung der Rebe aus eigenen Steckhölzern bringt nicht nur Freude, sondern auch finanzielle Vorteile. Übliche Rebpflanzen im Gartenhandel kosten oft umgerechnet mehrere zehn Euro pro Stück. Wenn zum Beispiel fünf Steckhölzer anwachsen, kann der Unterschied gegenüber dem Kauf deutlich sein. Selbst unter Einrechnung von Substrat und Töpfen ist die Methode zu Hause für viele Hobbywinzer wirtschaftlicher.

Neben dem Preis ist auch die Sicherheit der Eigenschaften wichtig. Der Gartenbesitzer weiß genau, wie sein Stock schmeckt, wie er trägt und wie er mit den örtlichen Bedingungen zurechtkommt. Neue Pflanzen aus Steckhölzern behalten diese Merkmale. Man sollte nur daran denken, dass diese Art der Vermehrung für den Eigenbedarf gedacht ist. Für den Verkauf von Rebpflanzen gelten besondere Regeln zur Pflanzengesundheit und zur Kennzeichnung des Vermehrungsmaterials.

Bei der Weinrebe entscheidet oft nicht das Frühjahr, sondern gerade der Oktober. Wer dann hochwertiges Steckholz schneidet und es über den Winter richtig lagert, kann ohne große Kosten neue Stöcke derselben Sorte wie die Mutterpflanze heranziehen.

Quelle: English Wine, The Spruce, RHS, Pestrazahrada.cz

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Tomas Rohlena
Tomas Rohlena

Ein Liebhaber der Natur, des Gartens und allem, was sich bewegt, blüht oder wächst. Er baut buchstäblich alles an, von Kräutern bis hin zu seltenen Arten, und kümmert sich ebenso gern um Tiere. Bei seiner Arbeit verbindet er moderne Technologien mit erprobten Großmutter-Methoden und freut sich, wenn beide Wege zum selben Ziel führen.

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