Myrobalane schmückt im Frühjahr den Garten und schenkt im August saftige Früchte
Myrobalane, auch Kirschpflaume (Prunus cerasifera), gehört zu den robusten und vital wachsenden Pflaumenverwandten, denen man bei uns überraschend häufig begegnet. Die einen sehen in ihr vor allem einen unscheinbaren Baum an Straßen und in Parks, die anderen eine schöne Ziergehölz-Art mit markantem Laub und reicher Frühlingsblüte. Tatsächlich kann die Myrobalane beides zugleich: Sie verschönert den Garten und liefert gleichzeitig essbare Früchte, die sich für den Frischverzehr wie auch zur Verarbeitung eignen.
In wärmeren Regionen kann sie auch verwildern, weil sie sich leicht über Samen verbreitet und sich gut an die Standortbedingungen anpasst. So ist sie ähnlich wie Hagebutten oder Schlehen zum Teil der Landschaft geworden, mit dem Unterschied, dass sie oft eine größere und saftigere Ernte bringt.
Wie die Myrobalane aussieht und wann sie blüht
Die Myrobalane wächst als größerer Strauch oder kleiner Baum und erreicht je nach Standort, Schnitt und Sorte meist etwa 3 bis 10 Meter in Höhe und Breite. Sie ist laubabwerfend; die Blätter sind häufig eiförmig und zeigen nicht selten einen rötlichen Schimmer. Der Stamm besitzt eine dunkelbraune, längs aufreißende Borke, und die jungen Triebe wirken oft glatt und glänzend.
Am meisten Eindruck macht sie im Frühjahr. Von April bis Mai erscheinen fünfzählige Blüten in Weiß oder Rosa, teils bis in zarte rosig-weiße Nuancen. Die Blüte fällt meist sehr üppig aus, sodass der Baum in dieser Zeit schon von Weitem auffällt. Myrobalanen gelten in der Regel als selbstfruchtbar, was praktisch ist, wenn Sie einen einzelnen Solitärbaum möchten, der auch zuverlässig Früchte trägt.
Früchte der Myrobalane und häufige Verwechslungen mit Mirabellen
Die Früchte der Myrobalane sind Steinfrüchte, die am häufigsten rot, rosarot oder gelb gefärbt sind, je nach Sorte aber auch in dunklere Töne übergehen können. Sie reifen meist von August bis September, und an gut wachsenden Bäumen hängen oft wirklich große Mengen. Gerade deshalb wird die Myrobalane beim Spazierengehen häufig „nebenbei“ gesammelt, auch wenn sie oft mit anderen Pflaumenarten verwechselt wird.
Das einfachste Unterscheidungsmerkmal in der Praxis: Bei der Myrobalane lässt sich das Fruchtfleisch oft schlechter vom Stein lösen, während sich bei echten Mirabellen und auch bei Kriechen der Stein meist deutlich leichter löst.
Umgangssprachlich werden diese Früchte oft als Mirabellen oder Kriechen bezeichnet, tatsächlich handelt es sich aber häufig gerade um Myrobalanen. Bei verwilderten Bäumen sind die Früchte oft kleiner, fester, und das Entsteinen kann mühsam sein. Das prädestiniert sie entweder für den direkten Verzehr oder für Zubereitungen, bei denen der Stein nicht so sehr stört.
Myrobalane pflanzen und der passende Standort
Beliebt ist die Myrobalane auch, weil sie anspruchslos ist. Sie wächst gut an sonnigen bis halbschattigen Plätzen und schätzt einen nährstoffreichen, gut durchlässigen Boden. Im Stadtklima punktet sie durch Robustheit und die Fähigkeit, schlechtere Bedingungen, Staub und Hitze zu tolerieren. Nach der Pflanzung ist regelmäßiges Gießen entscheidend, vor allem in den ersten Jahren, wenn der Baum erst sein Wurzelsystem aufbaut.
Ein weiterer Pluspunkt ist die gute Winterhärte und eine insgesamt ordentliche Widerstandskraft gegenüber typischen Problemen bei Steinobst. Schnitt verträgt sie gut: So können Sie die Kronenform lenken, die Höhe begrenzen oder die Krone auflichten. Im Garten funktioniert sie damit als Solitär, als Teil einer lockeren Hecke oder auch als Nutzbaum im hinteren Grundstücksbereich.

Sorte Hollywood und warum sie so beliebt ist
Zu den auffälligen Zierformen gehört Prunus cerasifera Hollywood. Sie wächst meist als größerer Strauch bis kleiner Baum, häufig etwa 4 bis 6 Meter hoch und rund 3 bis 4 Meter breit. Der größte Blickfang sind die dunkel weinroten bis purpurfarbenen Blätter, die ihre Färbung über die ganze Saison halten und einen starken Kontrast zum umgebenden Grün bilden. Im Frühjahr kommt die rosig-weiße Blüte dazu, sodass der Baum auch dann schon wirkt, wenn der Garten gerade erst in die Saison startet.
Hollywood trägt zudem in großer Menge essbare Früchte. Praktisch heißt das: Sie bekommen ein Gehölz, das nicht nur „zum Anschauen“ da ist, sondern sich auch in der Küche nutzen lässt. Diese Kombination ist bei Ziergehölzen keineswegs selbstverständlich.
Myrobalane in der Küche Konfitüren Gelees und clevere Verarbeitung
Die Früchte lassen sich frisch essen, landen aber am häufigsten als Konfitüre, Marmelade, Gelee oder als fruchtige Basis für weitere Rezepte im Glas. Sind die Früchte klein und fest, kann das Entsteinen unangenehm werden. Genau dann ist eine Methode praktisch, bei der man die Früchte kurz mitsamt Steinen aufkocht, Saft ziehen lässt und die Masse anschließend durch ein Passiersieb streicht oder abseiht. Das Ergebnis ist eine intensiv fruchtige Grundlage mit schöner Farbe, die sich nach Bedarf abschmecken lässt.
Eine clevere Lösung ist auch, die Früchte einzufrieren, gern sogar mit Stein, wenn er sich nicht gut lösen lässt. So können Sie das Obst nach und nach verarbeiten, wenn Zeit ist, oder es für Kuchen und Saucen verwenden. Man sollte nur einplanen, dass bei manchen Rezepten das „Entsteinen beim Essen“ zum Erlebnis dazugehört.
Myrobalane als Unterlage für Pflaumen
Im Obstbau ist die Myrobalane auch als Unterlage von Bedeutung. Sie wird aus Samen gezogen und eignet sich für die meisten Pflaumen, besonders in wärmeren und trockeneren Lagen. Auf Myrobalane veredelte Bäume reifen oft etwas später, können dafür aber reich tragen. Gleichzeitig ist gut zu wissen, dass bei manchen Pflaumensorten eine schlechtere Steinlöslichkeit auftreten kann, was bei der Verarbeitung spürbar ist.
Sammeln in der Natur und worauf Sie achten sollten
Weil Myrobalanen häufig an Wegen, Feldrainen oder in Parks wachsen, laden sie zum Selbersammeln ein. Für den Eigenbedarf ist das vielerorts üblich, dennoch kommt es immer darauf an, wem die Fläche gehört und welche Regeln vor Ort gelten. Grundsätzlich ist es sinnvoll, die Ernte direkt an stark befahrenen Straßen zu meiden, ebenso an Feldern, wo Spritzmittel zum Einsatz kommen können. Bei Bäumen in Städten und Gemeinden gilt außerdem: Auch ein öffentlich zugänglicher Ort kann einen zuständigen Betreiber haben und ein konkretes Nutzungskonzept.
Die Myrobalane ist schlicht ein Baum, der Schönheit, Nutzen und ein Stück Tradition verbindet. Ob Sie einen Zierkultivar wie Hollywood wählen oder einem gewöhnlichen Baum aus der freien Landschaft eine Chance geben: Er belohnt Sie mit Frühlingsblüte, sommerlicher Laubfarbe und zum Ende des Sommers mit einer Ernte, aus der sich überraschend gute, hausgemachte Vorräte einkochen lassen.
Quelle: Plantura Garden, Gardeners World , Pestrazahrada.cz
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