Gefürchteter Schädling aus China jetzt in Europa ohne deutschen Namen zerstört er alles von Reben bis Obstplantagen
Ungarn hat den Nachweis der invasiven Art Lycorma delicatula gemeldet, die weltweit als außergewöhnlich gefährlicher Schädling gilt. Es handelt sich um den allerersten bestätigten Fund dieses Insekts auf europäischem Gebiet. Das Auftreten wurde im Süden Ungarns in der Region Bács-Kiskun nahe der Grenze zu Serbien registriert. Die Behörden leiteten nach Bestätigung des Fundes umgehend Quarantänemaßnahmen ein, da diese Art mit großflächigen Schäden an landwirtschaftlichen Kulturen in Verbindung steht.
Auf das ungewöhnliche Insekt machte ein Anwohner aufmerksam, der sich bei der Bestimmung unsicher war. Nachfolgende Laboruntersuchungen bestätigten, dass es sich tatsächlich um Lycorma delicatula handelt. Die ungarische Behörde für Lebensmittelsicherheit betonte, dass gerade die schnelle Meldung solcher Funde eine entscheidende Rolle dabei spielen kann, zu verhindern, dass sich der Schädling dauerhaft im Land etabliert und sich anschließend unkontrolliert weiter ausbreitet.
Ein Schädling ohne deutschen Namen, aber mit weltweit bekanntem Ruf
Diese Art hat bislang keinen etablierten deutschen Namen, was damit zusammenhängt, dass sie in Deutschland wie auch sonst in Europa bisher nicht nachgewiesen wurde. Umso bekannter ist sie jedoch in den Vereinigten Staaten, wo sie nach ihrer Einschleppung zu einem ernsthaften Problem für die Landwirtschaft wurde. Ursprünglich stammt sie aus China, in die USA gelangte sie jedoch erst im Jahr 2014. Seitdem hat sie sich dort den Ruf eines invasiven Organismus erworben, der neue Gebiete sehr schnell besiedeln kann und hohe wirtschaftliche Verluste verursacht.
Lycorma delicatula ist ein auffälliges Insekt, das eine Länge von bis zu etwa 2,5 Zentimetern erreicht. Auch wenn es auf den ersten Blick harmlos wirken kann, stellt es ein erhebliches Risiko dar, insbesondere für Weinreben, Obstbäume und weitere wirtschaftlich bedeutsame Pflanzen. Allein in den USA wurde es mit dem Befall von mehr als siebzig Pflanzen- und Gehölzarten in Verbindung gebracht.
Wie sie befallenen Pflanzen schadet

Die Pflanzen werden nicht durch Fraß an Blättern oder Früchten geschädigt. Stattdessen saugt das Insekt mithilfe stechend-saugender Mundwerkzeuge Pflanzensäfte. Ein einzelnes Tier ist dabei nicht zwingend verheerend, problematisch wird es, wenn die Insekten in großer Zahl auftreten. Gerade Massenauftreten kann Pflanzen deutlich schwächen, ihre Vitalität senken und sie anfälliger für Krankheiten sowie weitere Schädlinge machen.
Es handelt sich also nicht um einen Schädling, der die Pflanze sofort abtötet, sondern um eine Art, die ihre Kondition durch dauerhaften Befallsdruck nachhaltig untergräbt. Das wirkt sich anschließend auf Qualität und Menge der Ernte aus. Die größten Sorgen bereitet sie Winzern und Obstbauern, weil die wirtschaftlichen Folgen in diesen Bereichen besonders gravierend sein können.
Schnelle Ausbreitung und außergewöhnliche Widerstandsfähigkeit
Einer der Gründe, warum Lycorma delicatula so problematisch ist, liegt in ihrer Fähigkeit, leicht mit dem Menschen zu „reisen“. Sie kann sich auf unterschiedlichen Oberflächen auch während der Fortbewegung festhalten, sodass sie unbemerkt über weite Strecken mit Pkw, Lkw-Verkehr oder auch Zügen transportiert werden kann. Dadurch steigt das Risiko erheblich, dass sie weit entfernt vom ursprünglichen Fundort auftaucht.
Ein weiterer Vorteil dieser invasiven Art ist die hohe Widerstandsfähigkeit der Eier. In einem Eigelege können bis zu fünfzig Eier enthalten sein, die selbst sehr ungünstige Witterung überstehen. Die Kombination aus hoher Fruchtbarkeit, Robustheit und der Fähigkeit, unbemerkt verschleppt zu werden, macht dieses Insekt zu einer besonders schwer zu beherrschenden Bedrohung.
Milliardenschäden in den Vereinigten Staaten
Erfahrungen aus Amerika zeigen, warum der aktuelle Nachweis in Ungarn so ernst genommen wird. Der erste US-Bundesstaat, in dem dieses Insekt nachgewiesen wurde, war Pennsylvania. Von dort begann es sich weiter auszubreiten und wurde schrittweise zu einem erheblichen Problem für Landwirte und die regionale Wirtschaft.
Eine Studie der Penn State University aus dem Jahr 2020 bezifferte, dass Lycorma delicatula allein in Pennsylvania jährliche Verluste in Höhe von 11 Milliarden Kronen verursacht. Neben direkten Schäden an Kulturen zeigten sich die Folgen auch am Arbeitsmarkt: Mit ihrem Auftreten wurden fast fünftausend wegfallende Arbeitsplätze pro Jahr in Verbindung gebracht.
Europa erhöht die Aufmerksamkeit

Der erste europäische Nachweis ist eine Warnung, dass diese invasive Art auch in weitere Länder vordringen könnte. Entscheidend sind das frühzeitige Erkennen, die schnelle Meldung verdächtiger Funde und die konsequente Kontrolle von Befallsherden. Sollte sich Lycorma delicatula in Europa etablieren, könnte sie eine ernste Gefahr für Weinberge, Obstplantagen und weitere landwirtschaftliche Kulturen auf großer Fläche darstellen.
Gerade deshalb betonen die ungarischen Behörden die Bedeutung der Zusammenarbeit der Öffentlichkeit mit Fachleuten. Erfahrungen aus Übersee zeigen, dass das Unterschätzen erster Anzeichen zu einer raschen Ausbreitung und in der Folge zu enormen finanziellen Verlusten führen kann.
Quelle: France24, TA3, Česká televize, Pestrazahrada.cz
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