Das Welkeproblem bei Tomaten im September lässt sich stoppen wenn man richtig vorgeht

Anfang September zeigt sich in vielen Gärten jedes Jahr das gleiche Bild: Die Blätter der Tomaten vergilben, ein Teil der Früchte schrumpft, und die Pflanzen wirken müde. Schnell entsteht der Eindruck, das liege an unregelmäßigem Gießen, zu wenig Dünger oder zu spätem Ausgeizen. Häufig ist es jedoch kein Pflegefehler, sondern eine Eigenschaft, die die Pflanze von Anfang an in sich trägt.
Entscheidend ist der genetisch festgelegte Wuchstyp. Manche Sorten sind auf eine kürzere, konzentrierte Ernte programmiert, andere können laufend weiterblühen und neue Früchte ansetzen und machen so lange weiter, bis Kälte oder Frost sie stoppen. Wer auch noch im Oktober ernten möchte, muss wissen, zu welcher Gruppe die eigenen Tomaten gehören.
Determinierte Sorten haben ein festes Saisonende
Determinierte Tomaten, oft als Buschtomaten bezeichnet, wachsen anders als Stabtomaten. Der Haupttrieb endet bei ihnen in einem Blütenstand, dadurch stoppt das Höhenwachstum ganz natürlich. Ab diesem Moment bildet die Pflanze weniger neue Blüten und konzentriert ihre Energie auf das Ausreifen der bereits angesetzten Früchte.
Das Ergebnis ist eine kurze, intensive Erntephase. Die Früchte reifen typischerweise innerhalb weniger Wochen, danach altert die Pflanze schneller, die Blätter werden gelb und trocknen ein, und die Fruchtbildung lässt nach. In der Praxis heißt das: Viele Buschtomaten-Sorten haben Anfang September bereits einen großen Teil ihrer Saison hinter sich.
Typische Vertreter sind zum Beispiel Roma, geschätzt für fleischige Früchte für Saucen und zum Einkochen, oder Celebrity, bekannt für ihren reichen Ansatz größerer Früchte. Für eine konzentrierte Sommerernte sind sie hervorragend, man sollte jedoch einkalkulieren, dass sie nicht auf langes Fruchten bis in den Herbst ausgelegt sind.
Was Sie bei determinierten Tomaten mit Pflege (nicht) verändern können
Bei Buschtomaten kann man nicht erwarten, dass Gießen, Nachdüngen oder weiteres Ausgeizen sie dazu bringt, neue Blüten zu bilden, wenn ihr Wachstumsprogramm bereits auf Saisonende steht. Sinnvoller ist es, das gleichmäßige Ausreifen dessen zu unterstützen, was bereits an der Pflanze hängt, und rechtzeitig vor kühlen Nächten zu ernten.
Indeterminierte Tomaten tragen fortlaufend bis zum Frost

Indeterminierte Sorten, also klassische Stabtomaten, verhalten sich genau umgekehrt. Ihr Trieb endet nicht in einem Blütenstand, sondern wächst weiter, bildet fortlaufend neue Fruchtstände und blüht so lange, wie die Temperaturen noch passen. Bei guter Pflege liefern sie deshalb bis weit in den Herbst frische Früchte.
Zu dieser Gruppe zählen auch moderne Sorten, die speziell für den Freilandanbau und eine bessere Toleranz gegenüber Krankheiten gezüchtet wurden. Ein bekanntes Beispiel ist Primabella: Sie gilt als Sorte, die bis zum Frost weitertragen kann, und wird zugleich wegen ihrer hohen Widerstandsfähigkeit gegen Kraut- und Braunfäule geschätzt. Sie hat kleinere Früchte etwa in Cocktailtomaten-Größe und kommt auch mit weniger idealen Bedingungen zurecht.
Sunviva ist eine weitere Stabtomate, diesmal mit gelben Cherrytomaten, und Resibella bringt etwas größere Früchte mit ausgeprägtem Geschmack und guter Toleranz gegenüber Pilzkrankheiten. Daneben gibt es viele weitere Freiland-Stabtomaten, wichtig ist nur, beim Kauf gezielt nach einem indeterminierten Wuchstyp zu suchen.
So erkennen Sie den Wuchstyp, wenn er nicht auf der Tüte steht
Hierzulande stoßen Hobbygärtner auf ein praktisches Problem: Auf kleinen Saatgut-Tütchen stehen meist vor allem Identifikations- und Qualitätsangaben, der Wuchstyp gehört jedoch nicht zu den üblichen Pflichtinformationen. So kann es passieren, dass Sie eine Sorte ohne klare Kennzeichnung kaufen und ihre wahre Natur erst im Laufe der Saison erkennen.
Anzeichen, mit denen Sie schon beim Kauf richtig entscheiden
Am schnellsten ist es, in der Beschreibung im Onlineshop oder Katalog direkt nach determinate oder indeterminate zu suchen. Hilfreich ist auch die Wortwahl bush und climbing, also Busch- versus Stabtomate. Wichtig ist außerdem die Anbauempfehlung: Steht dort kompakter Wuchs, geeignet für Topf oder Kübel, handelt es sich oft um einen determinierten Typ. Hinweise auf notwendiges Ausgeizen und Anbinden passen dagegen meist zu indeterminierten Sorten. Ein weiteres Indiz ist die Wuchshöhe: Buschtomaten enden häufig etwa zwischen 60 und 120 cm, Stabtomaten überschreiten dagegen oft 2 m.
Wer möglichst lange ernten möchte, sollte den Wuchstyp noch vor dem Kauf in der Sortenbeschreibung prüfen, idealerweise direkt beim Züchter oder in einer ausführlichen Produktbeschreibung.
September-Maßnahmen, die bei Stabtomaten die Ernte wirklich verlängern

Bei indeterminierten Tomaten ist ein Eingriff im Herbst besonders wirkungsvoll. Wenn die Pflanze weiter in Längenwachstum und neue Blüten investiert, schaffen es die späten Früchte oft nicht mehr bis zur Reife. Praktisch ist daher, im September das weitere Höhenwachstum zu beenden und die Kraft auf das Ausfärben und Ausreifen der bereits angesetzten Tomaten zu lenken.
Triebspitze kappen und sinnvoll entblättern
Bewährt hat sich, den Haupttrieb oberhalb des letzten belassenen Fruchtstands zu kappen; häufig wählt man je nach Wuchskraft und regionaler Saisonlänge etwa den sechsten bis siebten Fruchtstand. Das Entblättern sollte eher maßvoll sein: Entfernt werden vor allem die unteren Blätter, die ihre Funktion ohnehin verlieren, während die obere Laubzone die Früchte vor harter Sonne schützt und das Wachstum im Gleichgewicht hält.
Wann Sie die Düngung vor den zu erwartenden Frösten beenden sollten
Zum Saisonende lohnt es sich, etwa vier Wochen vor dem voraussichtlichen ersten Frost mit dem Düngen aufzuhören. Der Zeitpunkt variiert je nach Lage. In wärmeren Tieflagen kann es realistisch sein, die letzte Düngung eher Richtung Ende September zu schieben, während es in kühleren Lagen sinnvoll ist, schon Mitte des Monats aufzuhören und sich auf Schutzmaßnahmen in kalten Nächten einzustellen.
Wenn Sie im Folientunnel oder unter Schutzfolie anbauen, verlängern Sie die Saison um weitere Wochen. Bei Sorten, die genetisch darauf ausgelegt sind, weiterzutragen, macht sich dieser Vorsprung besonders deutlich bemerkbar.
Was tun mit Früchten, die draußen nicht mehr ausreifen
Sobald die Vorhersage Frost meldet, ist es sicherer, auch Früchte zu ernten, die noch nicht vollständig ausgefärbt sind. Tomaten, die bereits von sattgrün auf hellgrün umschalten oder anfangen, weißlich bzw. rosa zu werden, reifen zu Hause meist gut nach, am besten einlagig bei Zimmertemperatur.
In den Kühlschrank gehören sie nicht, weil Kälte Geschmack und Aroma verschlechtern kann. Hartgrüne Früchte mit gleichmäßig grüner Färbung haben geringere Chancen auf volles Aroma und werden daher häufiger zum Einlegen oder für Chutney verwendet.
Der Unterschied zwischen Busch- und Stabtomaten zum Saisonende
Bei determinierten Sorten hilft das Hereinholen der letzten Früchte, die Ernte vor Frost zu retten, neues Wachstum und weitere Fruchtansätze sollten Sie jedoch nicht mehr erwarten. Indeterminierte Pflanzen in Kübeln können dagegen nach dem Umstellen an einen geschützten, hellen Platz, etwa auf einen verglasten Balkon, noch eine Zeit lang weitermachen, wenn Wärme und Licht ausreichen. Genau daran zeigt sich am deutlichsten, wie entscheidend die Wahl des richtigen Wuchstyps schon beim Saatgutkauf ist.
Quelle: DUG, The Spruce, Pestrazahrada.cz
Ein Liebhaber der Natur, des Gartens und allem, was sich bewegt, blüht oder wächst. Er baut buchstäblich alles an, von Kräutern bis hin zu seltenen Arten, und kümmert sich ebenso gern um Tiere. Bei seiner Arbeit verbindet er moderne Technologien mit erprobten Großmutter-Methoden und freut sich, wenn beide Wege zum selben Ziel führen.
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