Die Schweiz verbietet eine Pflanze, die Tschechen im Garten lieben, Import ist tabu
Der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) gilt bei uns seit Langem als zuverlässiges Ziergehölz: Er wächst schnell, bildet rasch einen dichten Bestand und kaschiert Zäune ebenso wie weniger ansehnliche Ecken im Garten. Viele Hausbesitzer greifen vor allem wegen der immergrünen Blätter zu, durch die der Garten auch in den Wintermonaten gepflegt wirkt. Im Frühjahr blüht er zudem mit auffälligen weißen Blüten in Trauben, später erscheinen dunkle Früchte, die am Strauch dekorativ aussehen.
Gerade die Kombination aus zügigem Wachstum, Robustheit und der Fähigkeit, eine kompakte grüne Wand zu bilden, macht ihn zu einer häufigen Wahl für Hecken. Während er in tschechischen Gärten als praktisches, unkompliziertes Ergebnis gilt, wird er in manchen Ländern deutlich kritischer gesehen.
Was am Kirschlorbeer problematisch ist
Beim Kirschlorbeer wird oft auch seine Giftigkeit erwähnt. In Blättern und Samen stecken sogenannte cyanogene Glykoside, die bei Aufnahme gefährlich sein können. Die Früchte wirken auf den ersten Blick verlockend, sind aber nicht zum Verzehr gedacht. Das ist jedoch nicht der Hauptgrund, warum rund um dieses Gehölz so viel diskutiert wird.
Wichtiger ist seine Fähigkeit, sich außerhalb von Gärten auszubreiten. Die Früchte werden häufig von Vögeln gefressen, die die Samen anschließend in der Umgebung verbreiten. Im Garten lässt sich das meist noch kontrollieren, doch sobald der Kirschlorbeer in die freie Landschaft gelangt, kann er Standorte besiedeln, an denen er sich nicht mehr so leicht eindämmen lässt.
Schweizer Verbot von Import, Verkauf und sogar Verschenken
In der Schweiz wird der Kirschlorbeer als Art betrachtet, die ein Risiko für die heimische Natur darstellt. Seit dem 1. September 2024 gilt dort deshalb ein Verbot für Import, Verkauf und Verschenken. Praktisch bedeutet das: Man kann ihn nicht mehr legal kaufen, und er darf auch nicht „informell“ in Umlauf gebracht werden.
Für Besitzer, die ihn bereits auf dem Grundstück haben, sind die Regeln allerdings nicht als generelle Pflicht zur Rodung angelegt. Der Schwerpunkt liegt auf Verantwortung: Es muss verhindert werden, dass sich die Pflanze weiter in die umgebende Natur ausbreitet. Die Maßnahme richtet sich somit vor allem gegen weiteres Ausbringen und Einbürgern außerhalb von Gärten.
Warum er in der Schweiz als invasiv gilt

Die Schweizer Behörden zählen ihn zu den invasiven Arten, also zu Pflanzen, die sich außerhalb ihres ursprünglichen Verbreitungsgebiets unkontrolliert ausbreiten und heimische Vegetation verdrängen können. Kirschlorbeer kann rasch Waldränder, Gebüsche und unterschiedliche Offenflächen besetzen. Er bildet dichte Bestände und nimmt heimischen Arten Raum und Licht.
Die Folge ist Druck auf die Biodiversität, also die Vielfalt von Pflanzen und Tieren in der Landschaft. Wenn sich eine besonders vitale Art auf Kosten anderer ausbreitet, wird der Lebensraum ärmer und verändert sich. Genau diesem Szenario versucht die Schweiz vorzubeugen und hat deshalb ein vergleichsweise strenges Regime gewählt.
Wie die Lage in der Tschechischen Republik ist
In Tschechien ist der Kirschlorbeer bislang nicht verboten. Er wird weiterhin ganz normal verkauft und gepflanzt, vor allem als schnell wachsende Hecke. Gleichzeitig mehren sich Hinweise von Fachleuten, dass er sich auch bei uns mancherorts problematisch verhalten kann und beginnt, sich dort auszubreiten, wo seine Präsenz nicht mehr nur eine Frage des Gartengeschmacks ist.
Vorsicht ist vor allem bei der Standortwahl angebracht. Das eine ist ein gepflegter Garten, in dem man den Strauch schneiden, Früchte einsammeln und sein Wachstum im Blick behalten kann. Das andere ist eine Pflanzung in der Nähe von freier Landschaft, Waldrändern und unbewirtschafteten Flächen, von wo aus er sich leicht weiter ausbreiten kann.
Invasive Pflanzen, die bei uns bereits bekannt sind
Auf der Liste invasiver Arten in der Tschechischen Republik finden sich andere Pflanzen, die die Natur nachweislich stark belasten. Ein typisches Beispiel ist der Staudenknöterich, der Ufer von Gewässern überwuchern und heimische Arten nahezu konkurrenzlos verdrängen kann. Häufig genannt wird auch der Riesen-Bärenklau, dessen Pflanzensaft schmerzhafte Hautreaktionen auslösen kann. Eine weitere bekannte Art ist das Drüsige Springkraut: In der Blütezeit wirkt es zwar attraktiv, kann sich aber entlang von Flüssen und Bächen außergewöhnlich schnell ausbreiten.
Schön im Garten heißt nicht automatisch sicher für die Landschaft
Neben diesen notorisch bekannten Problemen gibt es auch Pflanzen, die viele gern setzen und dabei oft nicht ahnen, dass sie für die freie Natur riskant sein können. Dazu zählen etwa die Kanadische Goldrute und die Riesen-Goldrute. Im Beet sehen sie ansprechend aus, doch gelangen sie aus dem Garten heraus, können sie Wiesenkräuter verdrängen und den Charakter eines Standorts verändern.
Ähnlich wird auch die Robinie diskutiert. Zur Blütezeit ist sie für Bienen sehr attraktiv und wirkt malerisch, kann aber in bestimmten Lebensräumen die Zusammensetzung von Wald und Unterwuchs deutlich verändern. Daraus ergibt sich eine einfache Regel: Was als Schmuck am Haus funktioniert, gehört nicht automatisch in die freie Landschaft.
Was man als Gärtner aus der Situation mitnehmen kann

Die Geschichte des Kirschlorbeers zeigt, wie unterschiedlich Staaten mit derselben Pflanze umgehen können. Gartenpraxis trifft manchmal erst dann auf Naturschutz, wenn sich eine Zierpflanze unkontrolliert auszubreiten beginnt. Wenn Sie Kirschlorbeer kultivieren, ist es sinnvoll, ihn regelmäßig zu pflegen, die Fruchtbildung durch Schnitt zu begrenzen und ihn nicht „aus dem Garten entkommen“ zu lassen.
Ein Ziergehölz kann eine große Hilfe für die Hecke sein, doch verantwortungsvolles Gärtnern beginnt dort, wo wir auch die umgebende Landschaft mitdenken.
Quelle: Pestrá zahrada, Swiss Community, Swiss federal authorities, Pestrazahrada.cz
Ein Liebhaber der Natur, des Gartens und allem, was sich bewegt, blüht oder wächst. Er baut buchstäblich alles an, von Kräutern bis hin zu seltenen Arten, und kümmert sich ebenso gern um Tiere. Bei seiner Arbeit verbindet er moderne Technologien mit erprobten Großmutter-Methoden und freut sich, wenn beide Wege zum selben Ziel führen.
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