Balkonpflanzen nicht nur ins Haus holen dieser wichtige Schritt fehlt oft
Mit dem Ende des Sommers und kühleren Nächten verlieren die meisten Balkone schnell ihre Farbenpracht. Oft werden dann ganze Kästen entsorgt und im Frühjahr neu bepflanzt. Bei vielen Arten ist das jedoch unnötig. Zahlreiche beliebte Balkonpflanzen sind nämlich keine typischen Einjährigen, sie vertragen bei uns nur keinen Frost. Wenn Sie sie im Herbst rechtzeitig unterbringen und ihnen über den Winter eine passende Ruhephase gönnen, starten sie im Frühjahr kräftiger, blühen früher und bilden häufig eine deutlich üppigere Krone als neu gekaufte Jungpflanzen. Neben der Kostenersparnis gewinnen Sie auch einen Vorsprung in der Saison und können bewährte Pflanzen behalten, die Ihnen den Sommer über Freude gemacht haben.
Welche Arten sich zum Überwintern lohnen und welche man besser ersetzt
Nicht alles, was im Sommer auf dem Balkon blüht, eignet sich für die Überwinterung. Typische Einjährige wie Petunien, Surfinien, Studentenblumen oder Kapuzinerkresse lassen sich nur schwer überwintern, und meist ist es einfacher, neue Pflanzen zu kaufen oder sie erneut vorzuziehen. Viele langlebige Arten aus wärmeren Regionen kommen dagegen sehr gut durch den Winter, wenn man ihnen die richtigen Bedingungen bietet.
Zu den zuverlässigsten gehören Pelargonien, also Geranien – sowohl stehende als auch hängende Sorten. Überwintern können Sie große Mutterpflanzen ebenso wie im Spätsommer bewurzelte Stecklinge. Fuchsien schätzen ein kühleres Regime, und ältere, gut ausgereifte Exemplare vertragen die Überwinterung am besten. Lantanen verhalten sich ähnlich wie Geranien, sie überwintern bei milder Kühle – wichtig ist nur, daran zu denken, dass es sich um eine giftige Pflanze handelt. Bei zierenden Blattpflanzen wie Mottenkönig (Plectranthus) und einigen panaschierten oder silbrig überhängenden Arten ist es oft vorteilhafter, jüngere Pflanzen in einem etwas wärmeren Raum zu überwintern. Engelstrompeten (Brugmansia) brauchen die Winterruhe regelrecht und Vermehrungsmaterial nimmt man meist erst nach dem Austrieb im Frühjahr. Von den „südlichen“ Arten lohnt es sich auch, Oleander, Bougainvilleen und Zitruspflanzen zu schützen: Draußen überstehen sie den deutschen Winter nicht, an einem hellen und kühlen Platz kommen sie jedoch problemlos durch. In Kübeln verdienen auch manche Kräuter Schutz, etwa Rosmarin – hier ist entscheidend, dass der Wurzelballen nicht durchfriert.
Wann die Pflanzen ins Winterquartier kommen und warum man nicht warten sollte
Die Grundregel ist simpel: Umziehen sollte man, bevor die ersten Nachtfröste auftreten. In den meisten Regionen ist das im Oktober, mancherorts auch früher. Ein kurzer Kältereiz schadet den Pflanzen meist nicht und härtet sie sogar leicht ab, doch sobald die Temperaturen gegen 0 °C fallen, können die weichen, saftigen Teile von Geranien oder Fuchsien Frostschäden bekommen. Das geschädigte Gewebe wird dann schnell zur Eintrittspforte für Krankheiten, typisch ist Grauschimmel. Das rechtzeitige Unterbringen ist deshalb oft der entscheidende Schritt, der darüber bestimmt, ob die Pflanze den Winter in guter Verfassung übersteht.
Vorbereitung vor dem Überwintern: Sauberkeit, Schnitt und Schädlingskontrolle
Bevor Sie die Töpfe ins Haus holen, lohnt sich eine kurze, aber gründliche Pflege. Reinigen Sie die Pflanzen zuerst, damit im Winterquartier nichts bleibt, was unnötig fault. Entfernen Sie verblühte Reste, Knospen sowie alle vergilbten oder trockenen Blätter. So senken Sie das Schimmelrisiko und stimmen die Pflanze zugleich auf die Ruhephase ein.
Wichtig ist auch ein Erhaltungsschnitt. Bei Geranien und Fuchsien werden die Triebe üblicherweise um etwa die Hälfte bis zwei Drittel eingekürzt, immer knapp über einem gesunden Auge. Die Pflanze wird kompakter, trocknet weniger aus und braucht im Winter weniger Wasser. Außerdem lässt sie sich in dieser Form leichter handhaben und benötigt im Winterquartier weniger Platz.
Ebenso entscheidend ist die Kontrolle auf Schädlinge. Schauen Sie vor allem die Blattunterseiten und die Bereiche an den Blattstielen an – dort verstecken sich häufig Blattläuse, Weiße Fliegen oder Spinnmilben. In einer wärmeren, geschützten Umgebung können sie sich über den Winter rasch vermehren und die Pflanzen im Frühjahr deutlich schwächen. Wenn Sie etwas finden, behandeln Sie es unbedingt vor dem Einräumen, nicht erst dann, wenn alle Pflanzen bereits beisammenstehen.
Welches Winterquartier ideal ist: das richtige Verhältnis von Temperatur und Licht

Der Erfolg hängt von der Balance zwischen Kühle und verfügbarem Licht ab. Grundsätzlich gilt: Je wärmer Sie eine Pflanze überwintern, desto mehr Licht braucht sie, damit sie nicht in schwache, vergeilte Triebe wächst. Für viele Balkonarten ist ein heller, aber ungeheizter Platz am besten, etwa ein Flur, eine Veranda oder ein kühlerer Wintergarten. Ein Bereich von etwa 6 bis 10 °C passt für Geranien, Lantanen, Oleander und Zitruspflanzen. Fuchsien bleiben unter solchen Bedingungen oft teilweise belaubt und verharren in einer leichten Ruhephase ohne unnötigen Stress.
Eine weitere Möglichkeit ist ein kühlerer, dunkler Keller oder eine Garage mit etwa 2 bis 6 °C. Dort werfen die Pflanzen meist die Blätter ab und überstehen den Winter in Ruhe. Das eignet sich zum Beispiel für Fuchsien, ältere Geranien oder Engelstrompeten. Entscheidend ist, dass es im Raum niemals friert, denn ein durchgefrorener Wurzelballen ist häufig tödlich.
Weniger empfehlenswert ist es dagegen, kühleliebende Balkonpflanzen im normal beheizten Wohnzimmer zu überwintern. Höhere Temperaturen in Kombination mit dem Mangel an Winterlicht führen zu blassen, brüchigen Trieben und zu einer generellen Erschöpfung der Pflanze. Ausnahmen sind manche Blattschmuckarten, die ein helles Zimmer vertragen, ideal an einem Süd- oder Westfenster – aber auch bei ihnen gilt: Ein überheizter Raum ohne Lüften ist problematisch.
Winterpflege: weniger Wasser, kein Dünger und ab und zu frische Luft
Im Winter fahren die Pflanzen ihren Stoffwechsel herunter und brauchen keine intensive Pflege. Der häufigste Fehler ist zu viel Wasser. Gießen Sie sparsam, sodass das Substrat nicht völlig austrocknet, aber auch nicht dauerhaft nass bleibt. Nach dem Gießen darf kein Wasser im Untersetzer stehen, sonst droht Wurzelfäule. In einem kühlen Winterquartier um 5 °C reicht meist ein Gießen ein- bis zweimal im Monat, manchmal auch weniger – je nach Topfgröße und Luftfeuchte.
Düngen Sie in dieser Zeit nicht. Vom Frühherbst bis Ende Februar werden in der Regel keine Nährstoffe gegeben, weil die Pflanze sie nicht sinnvoll verwerten kann und eher geschwächt wird oder unerwünschte Triebe bildet. Zur Vorbeugung gegen Pilzkrankheiten hilft kurzes Lüften, sofern das Wetter draußen es zulässt. Frische Luft senkt die Feuchtigkeit und bremst die Ausbreitung von Schimmel an Blättern und Stängeln.
Frühjahrsstart und Rückkehr auf den Balkon
Sicher zurück auf den Balkon kommen die Pflanzen erst ab Mitte Mai, nach den sogenannten Eisheiligen. Schon ab Ende Februar und im März können Sie jedoch mit dem behutsamen Wecken beginnen. Stellen Sie die Pflanzen an einen helleren und wärmeren Platz, erhöhen Sie die Wassergaben langsam und ergänzen Sie nach einiger Zeit eine leichte Düngung. Im Vorfrühling ist auch ein Schnitt auf kräftige, austreibende Knospen sinnvoll, damit sich die Pflanze verzweigt und eine gesunde Basis für die Saison bildet.
Je nach Zustand der Wurzeln ist im Frühjahr oft ein Umtopfen in frisches Balkonpflanzensubstrat nötig. Geranien, Fuchsien, Plectranthus und Buntnesseln werden häufig jährlich umgetopft. Bei jungen Lantanen, Engelstrompeten, Oleandern und Zitruspflanzen lohnt sich nach dem ersten Jahr ebenfalls ein Substratwechsel und gegebenenfalls ein größerer Topf. Bei älteren, großen Pflanzen entscheidet man sich dann eher für einen teilweisen Austausch der Erde an der Oberfläche und für regelmäßige Düngung während der Saison. Eine richtig überwinterte Pflanze dankt es Ihnen mit einem kräftigen Start, früherer Blüte und einem deutlich besseren Erscheinungsbild den ganzen Sommer über.
Quelle: Garden Design, Growing Place, Pestrazahrada.cz
Ein Liebhaber der Natur, des Gartens und allem, was sich bewegt, blüht oder wächst. Er baut buchstäblich alles an, von Kräutern bis hin zu seltenen Arten, und kümmert sich ebenso gern um Tiere. Bei seiner Arbeit verbindet er moderne Technologien mit erprobten Großmutter-Methoden und freut sich, wenn beide Wege zum selben Ziel führen.
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