Eingerollte Tomatenblätter erschrecken selbst Erfahrene die Wahrheit ist überraschend einfach
Eingerollte oder verkräuselte Blätter an Tomaten können selbst erfahrene Gärtner erschrecken. Die Pflanze reagiert jedoch oft überempfindlich auf Wetterwechsel, Bewässerung oder Eingriffe bei der Kulturführung. Das Blattrollen kann daher nur eine Abwehrreaktion sein, mit der die Tomate Hitze, Trockenheit oder anderen Stress besser übersteht. Trotzdem gibt es Situationen, in denen es ein Warnsignal für ein ernsteres Problem ist.
Bevor Sie irgendetwas „behandeln“, lohnt es sich, die Pflanze genau anzuschauen. Wichtig sind die Richtung des Einrollens nach oben oder unten, mögliche Farbveränderungen, Verformungen, brüchige Blätter und auch, ob das Problem die ganze Pflanze betrifft oder nur einen bestimmten Teil.
Wenn sich die Tomate nur gegen die Bedingungen schützt
Hitze, Trockenheit und grelle Sonne
An heißen Tagen rollen sich die Blätter häufig nach oben zu einer Schale, einem Trichter oder einer schmalen Röhre. So verkleinert die Pflanze die Fläche, über die Wasser verdunstet, und schützt zugleich das Gewebe vor Sonnenbrand. Blätter im Schatten sind meist weniger betroffen. Richten sie sich am Abend nach dem Abkühlen wieder auf, handelt es sich in der Regel nicht um eine Krankheit, sondern um eine Reaktion auf Wärme.
Wind oder Staunässe in Kombination mit Wärme
Ähnliches Einrollen können auch trockene Winde auslösen, die die Blätter rasch austrocknen. Umgekehrt kann auch zu nasser Boden die Situation bei Hitze verschärfen, weil die Wurzeln unter Sauerstoffmangel leiden und die Pflanze dann Wasser und Energie ineffizient nutzt.
Schock nach Schnitt, Ausgeizen und Hacken
Tomaten mögen keine abrupten, großen Eingriffe auf einmal. Wenn Sie in kurzer Zeit viele Geiztriebe ausbrechen oder die Spitze stark einkürzen, können die Blätter vorübergehend mit Einrollen reagieren. Ähnlich wirkt sich auch unvorsichtiges, zu tiefes Hacken aus, bei dem feine Wurzeln direkt unter der Oberfläche verletzt werden.
Natürliches Altern der unteren Blätter
Die unteren Blätter vergilben mit der Zeit, verlieren an Festigkeit und rollen sich ein. Das ist ein normaler Prozess. Sinnvoll ist, sie nach und nach mit einer sauberen, scharfen Schere möglichst dicht am Stängel zu entfernen. Im Gewächshaus hilft das zusätzlich gegen stehende Feuchtigkeit im Bestand, verbessert die Luftzirkulation und senkt das Risiko für Pilzkrankheiten.
Wenn das Problem bei Wasser und Nährstoffen liegt
Zu viel Stickstoff und Überdüngung
Ein Stickstoffüberschuss zeigt sich oft durch sehr dunkelgrüne, kräftige bis lederartige Blätter, die sich eher nach unten einrollen. Die Pflanze wirkt zwar üppig, doch das Wachstum ist unausgewogen. Dann ist es besser, stickstoffbetonte Dünger zu reduzieren und auf eine ausgewogenere Nährstoffversorgung zu achten.
Calcium- oder Magnesiummangel
Fehlende Mineralstoffe schwächen das Gewebe und können sich auch durch Verformungen bemerkbar machen. Statt schneller chemischer Eingriffe hilft es häufig, den Boden mit hochwertigem Kompost zu stärken und seine Gesamtstruktur zu verbessern, damit die Pflanze Nährstoffe gleichmäßiger aufnehmen kann.
Vorübergehender Durst durch falschen Gießrhythmus
Wenn sich ansonsten gesunde Blätter vor allem an den Triebspitzen einrollen, steckt oft schlicht Wassermangel dahinter. Tomaten bekommen meist kein gutes Wachstum durch häufiges, oberflächliches Sprengen. Sie brauchen eine durchdringende Wassergabe direkt an die Wurzeln, am besten morgens und in regelmäßigen Abständen. Nach dem Gießen richten sich die Blätter oft in kurzer Zeit wieder auf.
Wenn Chemie aus der Umgebung die Tomate trifft
Tomaten sind außergewöhnlich empfindlich gegenüber Herbiziden. Das Problem muss nicht durch Ihren eigenen Spritzgang entstehen, sondern auch durch Abdrift aus Nachbargärten. Riskant können zudem Rückstände von Herbiziden in gekauftem Kompost oder Substrat sein, die auch lange nach der Anwendung noch wirken können.
Typisch sind stark deformierte Blätter, die sich zu einer Art Widderhorn einrollen, brüchig und rau sind und auffallend aufgehellte Blattadern zeigen. Bei stärkerer Schädigung können die Blätter schmal, gekräuselt oder fächerartig gezähnt wirken.
Bei leichteren Schäden kann man die Pflanze entlasten, indem man den Boden wiederholt lockert, damit Luft an die Wurzeln kommt, besonders nach Regen. Manchmal hilft auch eine wiederholte Blattdüngung mit einem Komplettdünger, um die Regeneration zu unterstützen.
Wenn eine Krankheit oder Schädlinge dahinterstecken
Tomaten-Stolbur als größter Schreck
Eine der gefährlichsten Ursachen für Deformationen ist Stolbur, eine durch Zikaden übertragene Phytoplasmenkrankheit. Diese fliegen oft von Unkräutern in der Umgebung zu, doch Wirtspflanzen können auch Paprika oder Kartoffeln sein. Befallene Tomaten wirken deutlich kümmerlich, haben harte, schlecht entwickelte Blätter und die Triebspitzen verformen sich zu dichten Büscheln, sodass die Pflanze „besenartig“ erscheint.
Bei Stolbur sind die Chancen auf Rettung meist minimal. Am sichersten ist es, die befallene Pflanze aus dem Beet zu entfernen, um das Ausbreitungsrisiko zu senken. Grundlegende Vorbeugung ist konsequentes Jäten im Umfeld der Pflanzung.
Schädlinge, die sich auf der Blattunterseite verstecken
Vergessen Sie nicht, die Blattunterseiten und die Wachstumsspitzen zu kontrollieren. Klebrigkeit, Verformungen und gehemmtes Wachstum können durch Blattläuse, Weiße Fliege, Spinnmilben oder Thripse verursacht werden. Häufig sitzen sie genau dort, wo man sie auf den ersten Blick nicht sieht.
Schnelle Einschätzung nach dem Aussehen der Blätter
Die Blätter sind grün und rollen sich vor allem bei Hitze nach oben meist ist es Hitz- und Trockenstress. Mulch hilft, den Boden kühler und feuchter zu halten, außerdem eine regelmäßige, durchdringende Wassergabe an die Wurzeln.
Die Blätter sind sehr dunkel, dick und rollen sich nach unten deutet oft auf zu viel Stickstoff hin. Reduzieren Sie stickstoffbetonte Düngergaben und verbessern Sie den Boden mit Kompost.
Die Blätter sind bizarr verformt, rau und mit blasser Aderung kann eine Herbizidschädigung sein. Helfen können bessere Bodenbelüftung und eine vorsichtige Nährstoffunterstützung, zum Beispiel über Blattdüngung.
Die Pflanze kümmert und die Spitze ist besenartig deformiert Stolbur ist möglich. Wenn die neuen Triebe weiter deformiert nachwachsen, muss die Pflanze meist entfernt werden.
Ruhe bewahren, Wasser an die Wurzeln und Mulch wirken Wunder
Der beste Rat ist überraschend einfach. Bewahren Sie Ruhe, gießen Sie kräftig und gezielt an die Wurzeln und lassen Sie den Boden nicht überhitzen, idealerweise mit einer Mulchschicht. In sehr vielen Fällen ist das Einrollen der Blätter nur eine vorübergehende Stressreaktion, die die Tomate nach verbesserten Bedingungen von selbst überwindet.
Quelle: The Spruce, Gardening Know How, Záhrada, Pestrazahrada.cz
Ein Liebhaber der Natur, des Gartens und allem, was sich bewegt, blüht oder wächst. Er baut buchstäblich alles an, von Kräutern bis hin zu seltenen Arten, und kümmert sich ebenso gern um Tiere. Bei seiner Arbeit verbindet er moderne Technologien mit erprobten Großmutter-Methoden und freut sich, wenn beide Wege zum selben Ziel führen.
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