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Mehltau ohne Chemie in den Griff bekommen

August 30, 2026 · 5 Min. Lesezeit · Jarmila M.
Mehltau ohne Chemie in den Griff bekommen
Mehltau auf den Blättern des Hokkaido-Kürbisses / Foto: Pestrazahrada.cz
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Mehltau ist ein Sammelbegriff für mehrere verwandte Pilzkrankheiten, die vor allem Blätter, junge Triebe und manchmal auch Blüten oder Früchte befallen. Auf der Pflanzenoberfläche bildet sich ein typischer weißlicher bis grauer, mehlartiger Belag, der wie feiner Staub wirken kann. Obwohl der Pilz zu einem großen Teil außen sitzt, dringt er in die obersten Zellschichten ein und entzieht ihnen Nährstoffe, wodurch Wachstum und allgemeine Vitalität der Pflanze geschwächt werden.

Mehltau zeigt sich meist ab dem Frühjahr deutlich und kann über die gesamte Vegetationszeit bestehen bleiben. Im Unterschied zu vielen anderen Pilzkrankheiten kommen ihm oft Bedingungen entgegen, die nicht ausgesprochen regnerisch sind. Entscheidend sind eine höhere Luftfeuchtigkeit bei gleichzeitig geringer Luftbewegung, typisch in windstillen Ecken an Wänden, Zäunen oder in zu dicht stehenden Pflanzungen.

Welche Pflanzen am häufigsten gefährdet sind

Befallen werden können Nutz- wie Zierpflanzen. Häufig begegnet man Mehltau an Apfelbäumen, Johannisbeeren, Stachelbeeren, Weinreben, Kreuzblütlern, Kürbisgewächsen wie Zucchini, Gurken und Kürbis, aber auch an Erbsen und Gräsern. Bei Gräsern ist Mehltau auch aus landwirtschaftlicher Sicht wichtig, weil er zu den häufigen Krankheitserregern an Getreide zählt.

Bei Zierpflanzen leiden beispielsweise Akanthus, Rittersporn, Phlox, Rosen, Geißblatt, Rhododendren und Azaleen, Lorbeer sowie Kirschlorbeer aus der Gattung Prunus oder auch Eichen. Wichtig ist zu wissen, dass die einzelnen Mehltauarten oft nur einen engen Wirtspflanzenkreis haben. Mehltau an Erbsen ist also meist nicht derselbe wie Mehltau am Apfel, auch wenn die Symptome ähnlich aussehen können.

Infektionsquellen können auch wilde oder verwilderte verwandte Pflanzen in der Umgebung sein. So können etwa Wildäpfel zur Ausbreitung der Krankheit in Gärten und Obstbestände beitragen, wenn sich Mehltau in ihren Kronen langfristig hält.

Mehltau an den Symptomen erkennen

Am auffälligsten sind sich ausbreitende weiße Beläge auf der Ober- und Unterseite der Blätter. Manchmal zeigen sie sich auch an Stängeln, Knospen, Blüten oder Früchten. Die Oberfläche kann wirken, als wäre sie mit Mehl bestäubt; manchmal ist der Belag dünner und auf den ersten Blick weniger deutlich.

Befallene Pflanzenteile bleiben anfangs mitunter ohne klare Reaktion, später kommen jedoch häufig Deformationen, Einrollen oder Verkümmern von Blättern und jungen Trieben hinzu. Ein typisches Beispiel ist Mehltau an Rosen: Die Blätter wirken nicht nur weißlich bestäubt, sie können sich auch wellen, verkräuseln und stellenweise violett bis purpurfarben verfärben.

Bei manchen Pflanzen ist der sichtbare Belag dagegen schwach, während Farbveränderungen des Blattes stark ausgeprägt sind. Das kann Vergilben, Bronzefärbung oder Braunwerden sein. Bei Kirschlorbeer und verwandten Arten kommt es vor, dass das Blatt schnell braun wird und abfällt; die Reste der Blattspreite können dann an Fraßschäden durch Insekten oder Schnecken erinnern. Bei Blauregen oder manchen Rhododendren ist Mehltau schwer zu erkennen, weil der Pilz an der Oberfläche weniger auffällt und sich eher durch Fleckigkeit und Aufhellungen des Gewebes verrät.

Was ohne Chemie als Erstes zu tun ist

Die Basis ist Vorbeugung und die Anpassung der Kulturbedingungen, denn Mehltau wird stark von der Umgebung beeinflusst. Eine große Rolle spielt auch Gartenhygiene. Wenn Sie im Herbst abgefallenes, befallenes Laub entfernen und entsorgen, senken Sie die Menge an Infektionsmaterial für das nächste Frühjahr. Ebenso sinnvoll ist es, befallene Triebe rechtzeitig auszuschneiden, damit sich die Krankheit weder an der Pflanze noch in die Umgebung weiter ausbreitet.

Bei empfindlichen Arten lohnt es sich, auf die Sortenwahl zu achten. Manche Saatgut- und Jungpflanzenanbieter führen Kultivare mit höherer Mehltauresistenz, sowohl bei Gemüse als auch bei Zierpflanzen. Die Resistenz ist zwar selten hundertprozentig, aber in Kombination mit guten Bedingungen entscheidet sie oft, ob das Problem nur optisch ist oder sich langfristig zu einer ernsthaften Belastung entwickelt.

Mehltau auf Zucchiniblättern / Foto: Pestrazahrada.cz
Mehltau auf Zucchiniblättern / Foto: Pestrazahrada.cz

Standortwahl und Licht

Für die meisten betroffenen Pflanzen ist ein sonniger Standort besser geeignet, weil die Blätter schneller abtrocknen und mehr Luft zirkuliert. Ausnahmen sind Arten, die von Natur aus Schatten und kühlere Bedingungen benötigen. Meiden Sie aber generell Plätze an Wänden und Zäunen, wo kaum Wind geht und sich feuchte, stehende Luft hält, denn das begünstigt Mehltau.

Boden, Bewässerung und Düngung

Wichtig sind ein gut durchlässiger Boden und regelmäßiges Gießen in Trockenphasen. Pflanzen, die wiederholt unter dem Wechsel aus Trockenstress und anschließendem Überwässern leiden, sind für Mehltau meist anfälliger. Auch eine Mulchschicht kann helfen, die Bodenfeuchte zu stabilisieren und Trockenstress zu reduzieren.

Bei der Düngung sind maßvolle Gaben sinnvoll. Überdüngung, besonders mit Stickstoff, führt zu üppigem, weichem Gewebe, das leichter befallen wird. Eine ausgewogene Nährstoffversorgung und ein moderates Wachstum bedeuten in der Regel weniger Krankheitsdruck.

Pflanzabstand und Luftfeuchtigkeit

Mehltau bricht häufig dort aus, wo Pflanzen zu eng stehen. Geben Sie Pflanzungen ausreichend Raum, damit Luft frei zwischen den Blättern zirkulieren kann. Bei Sträuchern und Rosen hilft ein Auslichtungs- und Formschnitt, mit dem Sie eine luftigere Krone schaffen. So sinkt die Feuchtigkeit im Bestand, und die Bedingungen für die Sporenbildung werden eingeschränkt.

Die Art des Gießens kann eine doppelte Rolle spielen. Dauerhaft nasse Blätter fördern andere Krankheiten, bei Mehltau gilt jedoch: Direkter Wasserkontakt ist für ihn ungünstig. In der Praxis wird daher manchmal ein vorsichtiges Abbrausen der Blätter an einem trockenen Tag im späteren Vormittag genutzt, damit die Oberfläche rasch wieder abtrocknet. Dagegen ist Überkopfberegnung früh morgens oder abends, wenn die Blätter lange nass bleiben, nicht ideal.

Wann und wie man Fungizide abwägen sollte

Grundsätzlich ist es sinnvoll, nicht-chemische Maßnahmen und gezielte Vorbeugung zu bevorzugen. Fungizide, auch einige als natürlich deklarierte Präparate, können die Biodiversität verringern, das Bodenleben belasten und weiterreichende Auswirkungen auf die Umgebung haben. Wenn Sie sich dennoch für eine Spritzung entscheiden, sollte sie so zielgerichtet wie möglich erfolgen, zum richtigen Zeitpunkt und strikt nach Anleitung, einschließlich der Regeln für Lagerung und Entsorgung von Resten. Ungeprüfte Hausmischungen lässt man besser weg, weil Wirkung und Risiken oft nicht verlässlich einschätzbar sind.

Wie Mehltau aus biologischer Sicht funktioniert

Die meisten Mehltaupilze bilden einen sichtbaren Belag auf der Pflanzenoberfläche. Von dort aus schicken sie in die obersten Zellen kleine Saugorgane, über die sie Nährstoffe aufnehmen. Die Pflanze verliert dadurch an Kraft, wächst schlechter und kann bei wiederholtem Befall vorzeitig Blätter abwerfen oder weniger blühen und fruchten. Weil der Pilz den Bedingungen der Umgebung direkt ausgesetzt ist, reagiert er stärker darauf als Erreger, die sich vor allem innerhalb des Gewebes ausbreiten.

Mehltaupilze bilden mikroskopisch kleine, über die Luft verbreitete Sporen. Diese besitzen einen ungewöhnlich hohen Wassergehalt und können daher auch unter trockeneren Bedingungen infizieren, als sie viele andere Pilzkrankheiten benötigen. Gleichzeitig gilt: Für Sporenbildung und erfolgreiche Infektion ist eine höhere Luftfeuchtigkeit vorteilhaft, nicht aber freies Wasser auf der Oberfläche. Gerade die Kombination aus feuchterer Luft und stehender Umgebung an Wänden oder in dichten Beständen ist für Mehltau oft ideal.

Die Überwinterung erfolgt auf zwei Hauptwegen. Entweder überlebt der Pilz als versteckte, ruhende Infektion an grünen Pflanzenteilen, oder er bildet Ruheformen auf abgefallenem Laub. Im Frühjahr werden aus diesen Quellen wieder Sporen freigesetzt, und der Zyklus beginnt von vorn. Deshalb hat Herbsthygiene und das rechtzeitige Entfernen befallener Pflanzenteile eine so deutliche vorbeugende Wirkung.

Praktische Zusammenfassung für den normalen Garten

Mehltau lässt sich meist nicht mit einem einzigen Eingriff lösen, aber langfristig sehr gut in Schach halten. Am meisten hilft die Kombination aus passendem Standort, luftiger Pflanzung, sinnvoller Bewässerung ohne Trockenstress, zurückhaltender Düngung und regelmäßiger Hygiene, also dem Entfernen befallener Blätter und Triebe. Ergänzen Sie das durch widerstandsfähigere Sorten, wird Mehltau in den meisten Gärten eher zu einem gelegentlichen Problem als zu einer jährlichen Plage.

Quelle: Rhs, Almanac , Pestrazahrada.cz

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Jarmila M.
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