Der meist unterschätzte Strauch in unserer Landschaft Die Schlehe nährt Bienen schützt Vögel und trägt Früchte die kaum jemand kennt
Die Gemeine Schlehe gehört zu den unauffälligen Gehölzen, die einem oft erst dann ins Auge fallen, wenn im Herbst ihre dunkel bereiften Früchte reifen. Diese schmecken meist stark herb-adstringierend und zählen daher nicht zu den Früchten, nach denen man gedankenlos greift. Dennoch ist sie ein Strauch mit großer Bedeutung für Natur, Küche und Volksheilkunde. Man findet sie an Feldrainen, Waldrändern und auf sonnigen Hängen, wo sie dichte, schwer durchdringliche Bestände bildet.
Wie die Schlehe aussieht und wo sie gut gedeiht
Am häufigsten wächst sie als stark verzweigter Strauch, der mehrere Meter hoch werden kann. Typisch sind die scharfen Dornen, die aus umgewandelten Kurztrieben entstanden sind. Im Frühjahr, oft noch vor dem Laubaustrieb, ist sie über und über mit kleinen weißen Blüten besetzt. Diese öffnen sich von März bis April und verströmen einen zarten Duft, der an Mandeln erinnert. Die Früchte reifen im September und Oktober; das Fruchtfleisch ist grünlichgelb und sitzt fest am Stein.
Die Schlehe liebt sonnige Standorte, steinige Raine und eher trockene Böden. Sie ist gut frosthart und kommt auch mit wenig Feuchtigkeit zurecht; in der tschechischen Landschaft erscheint sie häufig vor allem in tieferen und mittleren Lagen. Dank zahlreicher Wurzelschösslinge breitet sie sich rasch aus und kann Hänge sowie gestörte Flächen gut befestigen.
Sicheres Versteck für Vögel und erste Hilfe für Insekten

Dichte Schlehengebüsche haben eine große ökologische Bedeutung. Sie bieten Kleinsäugern Deckung und geben Vögeln einen sicheren Platz zum Brüten. Gerade die Vögel tragen dann auch zur weiteren Ausbreitung dieses Gehölzes bei. Früh im Jahr, wenn in der Landschaft noch wenig Nahrung vorhanden ist, sind die Schlehenblüten eine wichtige Nektarquelle für Bienen. Auch einige Schmetterlingsarten sind an sie gebunden – es ist also nicht nur ein gewöhnlicher, stacheliger Strauch, sondern ein wertvoller Baustein im Naturraum.
Früher wurde die Schlehe auch als natürliche Grundstücksgrenze gepflanzt, weil ihre dornigen Zweige das Durchkommen zuverlässig verhinderten.
Früchte und Blüten für die Hausküche und die Gesundheit
Die Früchte sind für ihren hohen Gehalt an Gerbstoffen bekannt, die für den markant adstringierenden Geschmack verantwortlich sind. Nach Frosteinwirkung verlieren sie jedoch einen Teil der Herbe und werden angenehmer. Genau dann werden sie am häufigsten gesammelt. Sie eignen sich für Kompott, Marmelade, Pflaumenmus-ähnliche Aufstriche, Sirup und hausgemachte Liköre. Außerdem werden daraus Wein oder Brände hergestellt, und mancherorts legt man sie ähnlich wie Oliven ein. Getrocknete Früchte lassen sich Teemischungen beimengen.
Die Volksheilkunde schätzte nicht nur die Früchte, sondern auch die Blüten. Sie wurden für Kräutertees verwendet, besonders bei Beschwerden der Harnwege, bei Verdauungsproblemen oder als mild abführendes Mittel. Die Früchte enthalten Vitamin C und wurden zudem mit einer Unterstützung von Herz und Kreislauf in Verbindung gebracht. Früher nutzte man auch die Blätter als Tee-Ersatz.
Ein altes Gehölz, umrankt von Geheimnissen

Auch in der Welt des Aberglaubens nahm die Schlehe eine besondere Stellung ein. Schon seit alter Zeit wurde sie mit Schutz in Verbindung gebracht, zugleich aber auch mit dunklen Kräften und der Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten. In manchen Regionen glaubte man, ein im Haus aufgehängtes Zweiglein könne das Böse abwehren. Ein Stück ihres Holzes trug man als Amulett in der Kleidung. Anderswo war man dagegen überzeugt, dass ein blühender Zweig, ins Haus gebracht, Unglück heraufbeschwören könne.
Das harte Schlehenholz diente zur Herstellung von Spazierstöcken und anderen robusten Gegenständen. In volkstümlichen Vorstellungen entstanden daraus auch Zauberstäbe mächtiger Magier. So bleibt die Schlehe bis heute eine Pflanze, die praktischen Nutzen, Bedeutung für die Landschaft und eine starke Portion alter Geschichten miteinander verbindet.
Quelle: Zahradaweb, Gardening Know How, Pestrá zahrada, Pestrazahrada.cz
Ein Liebhaber der Natur, des Gartens und allem, was sich bewegt, blüht oder wächst. Er baut buchstäblich alles an, von Kräutern bis hin zu seltenen Arten, und kümmert sich ebenso gern um Tiere. Bei seiner Arbeit verbindet er moderne Technologien mit erprobten Großmutter-Methoden und freut sich, wenn beide Wege zum selben Ziel führen.
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