Schöner Strauch, der den Nachbarn die Birnenernte verdirbt, darf aber vorerst weiter wachsen
Der Chinesische Wacholder gehört in deutschen Gärten zu den sehr beliebten Zier-Nadelgehölzen. Auf den ersten Blick ist er ein eher unscheinbarer, dekorativer Strauch, der im Vorgarten ebenso gut wirkt wie am Haus. Genau diese Pflanze kann jedoch ein ernstes Risiko für Birnbäume in der weiteren Umgebung darstellen. In seinen Zweigen überwintert nämlich ein Pilz, der den Birnengitterrost verursacht – eine Krankheit, die Blätter, Früchte und die gesamte Vitalität der Bäume deutlich beeinträchtigen kann.
Im Frühjahr bilden sich an befallenen Partien des Wacholders auffällige orange, gallertartige Auswüchse. Diese produzieren Sporen, die der Wind leicht in die Umgebung trägt. Sobald sie auf junge Blätter oder kleine Früchte von Birnbäumen gelangen, beginnt die Infektion. Die Folge können ein deutlicher Verlust an Blattmasse, deformierte Früchte, eine schlechtere Qualität und spürbar geringere Erträge sein. Bei wiederholt starkem Befall können die Bäume so geschwächt werden, dass auch ein nachfolgend strengerer Winter Schaden anrichtet.
Sporen verbreiten sich weit über die Grundstücksgrenze hinaus
Das Problem dieser Krankheit liegt darin, dass sie nicht auf einen Garten beschränkt bleibt. Fachliche Empfehlungen nennen zwar, dass Wirt-Wacholder mindestens 200 m, idealerweise 500 m von Birnbäumen entfernt stehen sollten – die Praxis zeigt jedoch, dass selbst das nicht immer ausreicht. Pflanzenschutzdienste im Ausland weisen darauf hin, dass ein starker Infektionsdruck auch in größerer Entfernung bestehen bleiben kann; Infektionen wurden sogar mehrere Kilometer von der Quelle entfernt nachgewiesen.
Das bringt Birnenanbauer in eine sehr ungünstige Lage. Selbst wenn sie ihre Bäume gut pflegen und auf dem eigenen Grundstück keinen risikoreichen Wacholder haben, können sie Pflanzungen bei Nachbarn, im öffentlichen Grün oder auf anderen Privatgrundstücken nicht beeinflussen. Ein einziger befallener Strauch in der Umgebung kann so Saison für Saison wiederkehrende Probleme verursachen.
Ein Verbot bleibt aus, der Staat greift nur minimal ein
Obwohl der Chinesische Wacholder Obstbäumen erheblich schaden kann, wird sein Anbau rechtlich nicht pauschal eingeschränkt. Anders als bei Arten auf der EU-Liste invasiver Organismen gibt es weder ein Haltungsverbot noch eine Beseitigungspflicht. Es handelt sich auch nicht um einen Fall, in dem automatisch ein strenges pflanzengesundheitliches Regime greift. Der Erreger des Birnengitterrosts zählt zudem nicht zu den Organismen, gegen die eine verpflichtende Tilgung angeordnet wäre.
So entsteht ein auffälliger Widerspruch. Bei manchen anderen nichtheimischen Pflanzen drohen für den Anbau hohe Bußgelder und der Staat verlangt ihre konsequente Entfernung. Beim Wacholder, der Obstbauern und Hobbygärtnern erhebliche wirtschaftliche Schäden verursachen kann, existiert ein vergleichbares flächendeckendes Verbot jedoch nicht.
Der geschädigte Anbauer hat nur begrenzte Möglichkeiten
Will der Besitzer einer Obstwiese oder eines Gartens die Situation lösen, bleibt ihm im Grunde nur der zivilrechtliche Weg. Stützen kann er sich auf Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs zu Immissionen, also Einwirkungen vom Nachbargrundstück, die die übliche Nutzung des eigenen Eigentums übermäßig beeinträchtigen. In der Praxis ist ein solcher Streit jedoch sehr schwierig.
Der Grund ist einfach: Sporen werden über die Luft verbreitet und können Hunderte Meter bis mehrere Kilometer zurücklegen. Nachzuweisen, dass genau ein bestimmter Wacholder aus einem konkreten Garten die Schädigung eines bestimmten Birnbaums oder einer Anlage verursacht hat, ist außerordentlich kompliziert. Ohne überzeugende Belege ist die Position des Geschädigten schwach, und häufig bleibt es bei nachbarschaftlichen Auseinandersetzungen.
Am wichtigsten ist rechtzeitige Vorbeugung

Die entscheidende Phase liegt meist von Mitte April bis Mitte Mai, oft während der Vollblüte der Birnen. Feuchtes Wetter und Regen begünstigen die Ausbreitung der Infektion deutlich. Der Schutz muss deshalb einsetzen, bevor sich die Krankheit voll entwickelt.
Fachleute empfehlen vor allem vorbeugende und mechanische Maßnahmen. Dazu gehören das rechtzeitige Herausschneiden befallener, verdickter Wacholdertriebe oder das Abdecken der Sträucher während der Sporenfreisetzung mit einem geeigneten Vlies. Eine chemische Behandlung der Birnen ist nur eingeschränkt möglich und muss vorbeugend erfolgen, meist im Zusammenhang mit Spritzungen gegen Schorf. Einige Mittel sind zudem nicht für den üblichen Hobbyanbau vorgesehen, sondern nur für Profis.
Erschwerend kommt hinzu, dass eine biologische Bekämpfung in Form zugelassener Präparate praktisch fehlt. Für Hausgärtner bleibt damit oft nur die Wahl robusterer Birnensorten und weniger anfälliger Wacholder-Kultivare. Doch auch das löst das Problem nicht vollständig, wenn die Infektionsquelle außerhalb des eigenen Grundstücks liegt.
Aus dem Zierstrauch wird ein langfristiges Nachbarschaftsproblem
Der Birnengitterrost zeigt, welche deutlichen Auswirkungen eine alltägliche Zierpflanzung auf umliegende Gärten und Obstflächen haben kann. Ein Strauch, der aus Sicht des Besitzers nur ein gestalterisches Element ist, kann für Birnenanbauer jährliche Verluste und eine unsichere Ernte bedeuten. Da das Gesetz solche Situationen nur sehr begrenzt regelt, bleiben Aufklärung, Vorbeugung und die Bereitschaft zur Zusammenarbeit unter Nachbarn die wichtigste Verteidigung.
Solange es keine klarere Regelung oder einen wirksameren Schutz gibt, tragen die Folgen der Ausbreitung des Birnengitterrosts vor allem diejenigen, die Birnen anbauen – nicht diejenigen, die den Wirt-Wacholder gepflanzt haben.
Quelle: RHS, Gardenia, Pestrazahrada.cz
Ein Liebhaber der Natur, des Gartens und allem, was sich bewegt, blüht oder wächst. Er baut buchstäblich alles an, von Kräutern bis hin zu seltenen Arten, und kümmert sich ebenso gern um Tiere. Bei seiner Arbeit verbindet er moderne Technologien mit erprobten Großmutter-Methoden und freut sich, wenn beide Wege zum selben Ziel führen.
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